Rechte Kundgebung in Vienenburg – Gegendemonstranten in der Überzahl

Nazikundgebung in Vienenburg

Am vergangenen Dienstag den 13.02. versammelten sich unter dem Motto „Ein Licht für Dresden“ ca. 30 Neonazis aus der Region. Bereits vor Beginn der Veranstaltung hielten sich mehrere Neonazis, darunter Florian Kaempf und Felix Wolf, im Umfeld beziehungsweise direkt im Bereich der Gegenkundgebung des Goslarer Bündnis gegen Rechtsextremismus auf.
Im Vorfeld wurde die Veranstaltung als zweistündiger „Trauermarsch“ beworben – schlussendlich standen die Nazis jedoch nur rund 30 Minuten bei Temperaturen um den Nullpunkt in einem durch die Polizei mit Flatterband abgesperrten Bereich am Rande des Vienenburger Marktplatz.
Quelle: https://www.flickr.com/photos/afnpnds/albums/72157692620799574/with/26379434518/
Neben einem Transparent, welches Goslarer Nazis bereits einige Tage zuvor in Dresden mit sich führten, waren sie mit 2 Fackeln, einigen Grablichtern und Fahnen angereist.
Im Laufe der kurzen Veranstaltung hielten Joost Nolte aus Goslar und Jens Wilke aus Göttingen kurze Redebeiträge und immer wieder ertönten rechte Lieder bzw. melodramatische Filmmusik, welche jedoch zumeist unter den Rufen der rund 80 Gegendemonstranten untergingen.
Sowohl Wilke als auch Nolte thematisierten in ihren Reden die allierte Bombardierung Dresdens und verklärten diese in geschichtsrevisionistischer Manier.
Im Vorfeld der Versammlung wurde dem Hildesheimer Dieter Riefling untersagt, ebenfalls eine Rede abzuhalten, womit der Kreisverband Süd-Ost-Niedersachsen der Partei „Die Rechte“ die kurze Veranstaltungsdauer erklärte.
Stattdessen konzentrierte sich Riefling im Laufe der Kundgebung auf das Posten zahlreicher Tweets.
Quelle: https://www.flickr.com/photos/afnpnds/25380927527/in/album-72157692620799574/
Die Nazikundgebung wurde, wie bereits erwähnt, von ca. 80 Gegendemonstranten kritisch begleitet, welche es fast durchgehend schafften, mit verschiedenen Parolen die Reden der Nazis zu übertonen.
Unter den Teilnehmern der Nazikundgebung befanden sich u.a. Dieter Riefling, Carsten Dicty, Dominik Brandes, Benjamin Greune, Joost Nolte, Jan Derks, Martin Schüttpelz, Sebastian Weigler, Ulf Ringleb, Pierre Bauer und Jens Wilke.
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Rechte Provokationen nach Kundgebungsende

Zudem hielten sich zum Ende der Nazikundgebung Stefan Reisel und Tanja Schaer in unmittelbarer Nähe der Gegenkundgebung auf. Schaer und ihr Partner Reisel, welcher auf Facebook keinen Hehl aus seiner nationalsozialistischen Gesinnung macht, verließen nach einem kurzem Wortgefecht mit den Gegendemonstranten und einer kurzen Diskussion mit den anwesenden Polizisten den Vienenburger Marktplatz. Tanja Schaer war vor einigen Jahren an der Organisation der rechten Gruppierung „Goslar wehrt sich“ beteiligt und gründete vergangenes Jahr eine Facebookgruppe, sowie eine zugehörige Facebookseite unter dem Titel „Goslar wehrt sich 2.0“, auf welcher sie neben Beiträgen der Regionalpresse u.a. Beiträge der AfD und Goslarer Neonazis teilt.

Erstes Auftreten des neuen Kreisverbandes der Partei „Die Rechte“

Die Kundgebung in Vienenburg stellte zudem den ersten eigenständigen öffentlichen Auftritt des neugegründeten Kreisverbandes Süd-Ost-Niedersachsen der Partei „Die Rechte“ dar. Zuvor nahmen allerdings bereits einzelne Parteimitglieder an verschiedenen rechten Veranstaltungen teil, so zum Beispiel in Peine am 03.02. und in Dresden am 10.02.

Fotos der Kundgebung gibt es beim Antifaschistischen Nachrichtenportal und bei Recherche Nord:

Hakenkreuze und rechte Störaktion

 Hakenkreuze an jüdischen Gedenkstein in Seesen geschmiert
Am Freitag den 26.01.2018, kam es am frühen Nachmittag zwischen 13.10 und 15.30 Uhr in Seesen zu einer Sachbeschädigung am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge in der Innenstadt. Ein oder mehrere Täter besprühten den Gedenkstein am Schulzentrum in der St.-Annen-Straße mit mehreren Hakenkreuzen in silbergrauer Farbe. Laut Polizei wird deshalb auf Grund der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Sachbeschädigung ermittelt.
In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Hakenkreuz-Schmierereien im Seesener Stadtgebiet und den angrenzenden Ortsteilen. So wurden 2014 Stromkästen, Autos und Wahlplakate in Seesen mit pinken Hakenkreuzen beschmiert. 
2016 wurden sowohl auf dem Vereinsgelände des FC Rhüden, als auch auf einem Haus in Ildehausen Hakenkreuze aufgesprüht, welches anschließend angezündet wurde. Zuvor hatte sich das Gerücht herumgesprochen, dass Asylsuchende dort Unterkunft finden sollten.
Der nun betroffene Gedenkstein in Seesen dient dem Gedenken an die frühere Synagoge und jüdische Gemeinde in der Stadt. So wurde 1810 von Israel Jacobson vor Ort der Jacobstempel gegründet – eine Synagoge, welche als die weltweit erste reformierte Synagoge des Judentums galt. Zudem befand sich in direkter Nachbarschaft der Synagoge ebenso eine zuvor von Jacobson eingerichtete jüdische Schule. Am 09. November 1938 wurde der Jacobstempel Opfer der Reichspogromnacht und brannte vollständig nieder. In derselben Nacht, in der die Seesener Synagoge brannte, wurde der Synagogenvorsteher Siegfried Nußbaum angeschossen und starb wenig später an den Folgen der Schussverletzung. Insgesamt wurden 22 in Seesen geborene Juden und 250 ehemalige Schüler der Jacobsonschule im Rahmen der Shoa ermordet.  
 
Quelle: http://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/images/seesen3.png
 
Rechte Störaktion und Kundgebung in Duderstadt
Am Samstag den 27.01.2018 kam es in den Abendstunden in Duderstadt zu einem Zwischenfall, bei denen Akteure der Goslarer Naziszene und der Volksbewegung Niedersachsen beziehungsweise Freundeskreis Niedersachsen/Thüringen involviert waren. Das Duderstädter „Bündnis gegen Rechts – Duderstadt bleibt bunt“ lud an diesem Abend zu einem Vortrag über den Umgang mit der AfD ein. Geladen war dazu Michael Schmelich, sozialpolitischer Sprecher der Grünen im Dresdener Stadtrat. Vor Beginn der Veranstaltung betrat ein knappes Dutzend Nazis den Vortragsraum in der örtlichen Volkshochschule. Laut eigener Aussage versuchten sie, mit den Anwesenden des Bündnisses zu diskutieren. Wie auf einigen verwackelten Handyfotos, welche auf den einschlägigen Social-Media-Seiten hochgeladen wurden, zu erkennen ist, versuchten die Nazis zudem an der Veranstaltung teilzunehmen und setzen sich in die Stuhlreihen des Veranstaltungsraums.
Anschließend meldete der Göttinger Jens Wilke eine Spontankundgebung an. Dass diese Kundgebung, im Gegensatz zur Darstellung der Rechtsradikalen, wohl eher weniger spontan war, zeigten unter anderem die eingesetzte Mikrofonanlage sowie das mitgeführte „Tag der deutschen Zukunft“-Banner. Die Kundgebung erreichte vermutlich nur wenige Menschen. Die hochgeladenen Fotos auf der Facebook Seite der „Volksbewegung Niedersachsen“ zeigen lediglich eine menschenleere Duderstädter Innenstadt. Unter den anwesenden Neonazis waren neben Jens Wilke auch Joost Nolte aus Goslar und Dominik Brandes aus Langelsheim. 
„Spontankundgebung“ der Rechten